| Vorwort |
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Norbert Henze, Karlsruhe:
Vierfeldertafeln und die ominöse Sache mit der „Unabhängigkeit“
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In Schulbüchern erscheint der
Einsatz von Vierfeldertafeln im statistischen Kontext
häufig auf den sogenannten Unabhängigkeitstest reduziert – ganz gleich, ob es sich um eine experimentelle
Untersuchung oder eine beobachtende Erhebung handelt. Dabei bleibt ein zentraler Unterschied konzeptionell unscharf: In einem experimentellen Setting geht es
um den Vergleich von Erfolgswahrscheinlichkeiten in
zwei zufällig gebildeten Gruppen und damit um einen
Homogenitätstest; in einem beobachtenden Setting
hingegen werden zwei Merkmale gleichzeitig erfasst,
und man testet üblicherweise auf stochastische Unab-
hängigkeit dieser Merkmale. Diese Differenzierung
ist entscheidend für das richtige Verständnis statistischer Tests, wird aber in Schulbüchern übergangen
oder unscharf vermischt – ebenso wie der theoretische
Begriff der Unabhängigkeit, der dort mitunter als
rechnerisch überprüfbare Eigenschaft einer konkreten
Stichprobe dargestellt wird. Der Beitrag beleuchtet
diese konzeptionellen Unklarheiten anhand typischer
Beispiele und diskutiert Wege zu einer fachlich fundierten und didaktisch tragfähigen Behandlung von
Vierfeldertafeln im Unterricht. Es wird auch auf den
in der angewandten Statistik wohlbekannten Sachver-
halt eingegangen, dass die Tests auf Homogenität und
stochastische Unabhängigkeit in einer Vierfeldertafel
rein formal äquivalent sind.
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Hans Humenberger, Wien:
Probleme über Wahrscheinlichkeiten auf Social Media für den Unterricht verwenden?
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Wir beleuchten interessante
stochastische Aufgaben eines jungen kanadischen
Mathematikers auf der Social Media Plattform X.
Er hat es damit geschafft, in einer österreichischen
Tageszeitung durch einen Wissenschaftsjournalisten
vorgestellt zu werden, zu Recht!
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Lara Kristina BiLLion, Frankfurt am Main:
Datenoperationen und statistisches Schlussfolgern mit der App StaLApp ermöglichen: Eine Einzelfallstudie
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In diesem Beitrag wird StaLApp
vorgestellt, eine App, die Lernende beim Verständnis
grundlegender Datenoperationen sowie bei der Untersuchung größerer Datensätze unterstützen soll. Es
wird ein Einblick in die erste Erprobung der App mit
Grundschülern und Grundschülerinnen gegeben. Der
Fokus liegt auf den Datenoperationen des Grundschülers Sebastian im ersten Level der App sowie auf seinen
Schlussfolgerungen, die er auf Grundlage seiner Datenstrukturierung in Bezug auf eine vorgegebene Behauptung zu bivariaten Daten zieht.
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Bibliographische Rundschau – Teil 1
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Joachim Schwarz, Emden:
Der Einsatz generativer KI in der statistischen Datenanalyse und ihre Auswirkungen auf die Lehre der Statistik an Fachhochschulen1
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1
Übersetzung von Manfred Borovcnik basierend auf:
Schwarz, J. (2025). The use of generative AI in statistical
data analysis and its impact on teaching statistics.
Teaching Statistics, 47(2), 118–128. Original Open
Access. Original und Übersetzung CC BY 4.0:
https://doi.org/10.1111/test.12398
Diese Studie untersucht den Ein-
satz generativer KI, insbesondere ChatGPT, in der
statistischen Datenanalyse und deren Auswirkungen
auf die Statistikausbildung an Fachhochschulen. Der
Beitrag beginnt mit einer Diskussion über die zukünftige Arbeitsteilung zwischen Mensch und Maschine im
Kontext der statistischen Datenanalyse nach der Einführung von ChatGPT. Durch die Analyse künstlich generierter Datensätze werden die Fähigkeiten und Grenzen von ChatGPT bei der Durchführung statistischer
Analysen aufgezeigt. Die Ergebnisse zeigen, dass generative KI die Datenanalyse für Personen mit minimalen
Statistikkenntnissen erleichtern kann, hauptsächlich
durch die Generierung geeigneter Codes, aber nur
teilweise durch die Befolgung von Standardverfahren.
Daher bleiben menschliche Aufsicht und gute Statistikkenntnisse
weiterhin von entscheidender Bedeutung.
Die Studie legt nahe, dass sich der Schwerpunkt der
Statistikausbildung von der Vermittlung softwarespezifischer
Fähigkeiten hin zur Förderung eines tieferen Verständnisses statistischer Konzepte verlagern
sollte. Diese Verlagerung wird die Studierenden darauf
vorbereiten, KI-Tools effektiv zu nutzen und gleichzeitig
strenge Standards für die Datenanalyse einzuhalten.
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Bibliographische Rundschau – Teil 2
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